Angestellte Zahnärzte und Zahnärzt*innen erfolgreich weiterentwickeln

Die fünf wichtigsten Aufgaben zur Stärkung Eurer Performance 

Nachdem wir in unseren beiden letzten Beiträgen bereits anschaulich aufgezeigt haben, wie Ihr die Praxisrendite durch die systematische Führung Eurer angestellten Zahnärzt*innen steigern könnt und was so viele Praxisinhaber*innen davon abhält, diesen Weg zu gehen, beschäftigt sich der dritte Teil unserer Blogreihe mit dem konkreten Handeln: Wir stellen Euch fünf konkrete Handlungsmaßnahmen vor, die substanziell steigende Produktivität im Zahnärzteteam bewirken.

1) Die geeignete Führungskraft finden 

Die Entwicklung der angestellten Zahnärzt*innen ist nicht immer automatisch bei einem/einer der Inhaber*innen optimal angesiedelt. Denn unabhängig von der Position braucht es neben der fachlichen Expertise auch ehrliches Interesse an der Potenzialentwicklung von Menschen, reflektierte Kommunikationsstärke und zweifelsfreie eigene Vorbildfunktion. Wer etwa selbst schludrig dokumentiert oder gerne konservierende Leistungen vergisst, weil die prothetischen und chirurgischen Leistungen so viel mehr Freude machen (die Klassiker, deshalb sprechen wir das hier an), ist aus der Perspektive angestellter Zahnärzt*innen nur bedingt überzeugend. 

Die richtige Führungskraft zu finden ist deshalb der erste Schritt zur Steigerung der Produktivität im Behandlerteam. Überlegt Euch, wer in der Praxis die besten Voraussetzungen mitbringt und bereit ist, die eigenen Führungskompetenzen systematisch auszubauen, um dann die Leitung des Zahnärzteteams zu übernehmen. Es können durchaus auch betriebsverbundene, erfahrene angestellte Zahnärzt*innen sein, die die besten Skills für diese elementar wichtige Aufgabe mitbringen. 

2) Wertschätzung und treffsichere Vergütung sicherstellen

Parallel sorgt Ihr dafür, dass die zahnärztliche Führungskraft durch das Gesamtsystem unterstützt wird, also echte Wertschätzung und Unterstützung für die herausfordernde Aufgabe erfährt. Geld gehört natürlich auch dazu: Wenn mit der Reduzierung der kurativen Tätigkeit zu Gunsten von Coaching-Aufgaben ein Einkommensverlust verbunden ist, wird das Ganze nicht funktionieren. Honorarbezogene Gewinnverteilungen bzw. Gehälter (selbst behandeln = viel verdienen) sind weit verbreitet und gleichzeitig die größte Barriere bei der Potenzialentwicklung angestellter Zahnärzt*innen. Hinterfragt die Anreizwirkung Eurer Verträge kritisch und verständigt Euch auf die notwendigen Anpassungen. Das gilt sowohl für Verträge von Praxispartner*innen als auch für Anstellungsverträge zahnärztlicher Führungskräfte.

3) Patientenverläufe durchsehen und prüfen 

Bei dem System, das wir hier skizzieren, geht es um folgenden Unterschied: Um angestellte Zahnärzt*innen planvoll zu entwickeln, ist das grundlegende ärztliche Arbeitsmuster zu scannen. Entscheidend ist es, nicht nur präsentierte ausgewählte Einzelfälle anzusehen, sondern das Gros der Fälle aufs Radar zu nehmen, um zu erkennen, wo der/die Kolleg*in Stärken hat und wo es noch Unterstützung braucht. Dafür ist es erforderlich, mit einem ausreichenden Zeitfenster (kann auch im Homeoffice stattfinden) eine Vielzahl an Patientenverläufen der angestellten Zahnärzt*innen durchzuklicken. Anfangs alle, später – bei zunehmender Entwicklung – reichen relevante Stichproben. Analysiert werden Aspekte aus therapeutischer Sicht, z.B.:  

  • Einhaltung diagnostischer Praxisstandards
  • Befundung von Röntgenbildern  
  • Therapielogik, Therapieeffizienz, HKP-Stellung 
  • bevorzugte Füllmaterialien
  • (Folge-)Terminierung
  • (Re-)Motivation für die professionelle Zahnreinigung
  • Neupatientenverläufe

Ergänzend verschafft Ihr Euch einen Eindruck von Dokumentationsqualität und Nebenerkenntnissen, beispielsweise Beschwerdehäufigkeit, Umfang der internen Überweisungen etc.

4) Erkenntnisse aus Orga und Statistik kombinieren

Verschafft Euch außerdem einen Überblick über die Anzahl der behandelten Patient*innen, den Anteil der Neupatient*innen, Honorarstundensätze, Leistungsstruktur, ZE-Quote etc. Fragt in der Abrechnung nach Auffälligkeiten und erhebt, welche Ressourcen (wie viele Zimmer/welche Assistenzen) dem/der jeweiligen angestellten Zahnärzt*in zur Verfügung stehen. So erhaltet Ihr systematisch jede Menge Informationen darüber, wo vieles bereits prima läuft und an welchen Stellen Ihr noch Handlungsbedarf habt. Bringt die Erkenntnisse in einen Gesamtzusammenhang in Vorbereitung auf das persönliche Gespräch. 

5) Angestellte Zahnärzt*innen coachen  

In monatlichen persönlichen Gesprächen könnt Ihr jede*n Zahnärzt*in individuell positiv abholen, bestätigen, was gut läuft, und aufzeigen, worauf noch zu achten ist. Ihr könnt Eure Vorstellung von Therapie vermitteln, Tipps geben und Eure Erfahrungen teilen. Am Rande könnt Ihr auch Zielvorstellungen (z.B. Stundensatz xy) formulieren. Der Fokus liegt auf dem Support: Ihr unterstützt Eure Kolleg*innen dabei, das Behandlungspotenzial der Patient*innen noch besser zu erkennen und es (nach den Standards der Gesamtpraxis) strukturiert und effizient in Therapien zu überführen. Ferner erkennt Ihr, welche organisatorischen Rahmenbedingungen ggf. noch zu optimieren sind.

Sinnvoll ist es, das individuelle Coaching durch monatliche Treffen des gesamten Zahnärzteteams zu ergänzen – für praxisrelevante Infos, grundlegende therapeutische Abstimmungen und vor allem zur Stärkung des kollegialen Schulterschlusses.

Fazit 

Weniger eigene Patientenbehandlung zu Gunsten von Entwicklungszeit für die angestellten Kolleg*innen: Dieser Weg hat nicht nur therapeutisch und betriebswirtschaftlich (in Form steigender Stundensätze, verbesserter Patientenbindung etc.) enorme Effekte. Im Kontext systematischer Führung gewinnt auch die Arbeitgeberattraktivität: Wenn angestellte Zahnärzt*innen erleben, dass sie gesehen und gefördert werden, fühlen sie sich stärker mit dem Gesamtbetrieb verbunden. In einer solchen Kultur funktionieren auch die Schnittstellen zu Assistenz, Rezeption und Prophylaxe sowie die organisatorischen Gesamtabläufe noch glatter. Im Ergebnis entstehen hohe Alltagszufriedenheit und Mitarbeiterstabilität: zwei wichtige Kulturfaktoren mit nachhaltiger Steigerungswirkung auf die Wertschöpfung Eurer Zahnarztpraxis. 

Wenn Du das Thema noch vertiefen möchtest, komm zu unserer Fortbildung Angestellte Zahnärzte und Zahnärztinnen erfolgreich weiterentwickeln.